„Taferlkunde“ für politische Fernsehdebatten

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Fernsehdebatten von PolitikerInnen gelten als zentrale Elemente politischer Kommunikation in Wahlkampfzeiten. Im österreichischen Nationalratswahlkampf 2013 kamen sie in auffälliger Dichte zum Einsatz und überraschten mit dem intensiven Einsatz visueller Hilfsmittel durch die SpitzenkandidatInnen. Für die Zeitschrift der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS-Rundschau) habe ich mir diese visuellen Hilfsmittel in Fernsehdebatten – in Österreich als „Taferl“ bezeichnet – etwas genauer angesehen. Der entsprechende Artikel erscheint im Heft  Nr. 2/2014 der Zeitschrift und kann hier nachgelesen werden.

Für den Beitrag habe ich sämtliche Fernsehdebatten analysiert, die von den Sendern ORF, ATV und PULS4 sowie vom Politik- und Wahljournal NEUWAL.COM in Kooperation mit dem Onlinesender ZIGE.TV im Zuge des österreichischen Nationalratswahlkampfes 2013 ausgestrahlt wurden. Mein Interesse richtete sich vor allem auf Form und Zweck des Einsatzes visueller Hilfsmittel, also jener Utensilien, die PolitikerInnen während einer Fernsehdebatte zur Unterstützung ihrer Wortmeldungen verwenden, um durch Bildhandeln einen kommunikativen Mehrwert zu erzielen.

Die Untersuchung hat ergeben, dass visuelle Hilfsmittel in vier verschiedenen Formen Verwendung finden, die jeweils unterschiedliche Ziele verfolgen: (1) Datenvisualisierungen, (2) politische Werbemittel, (3) Interventionen und (4) Fotografien bzw. Bild-Text-Montagen. Der Einsatz visueller Hilfsmittel stellt für PolitikerInnen einen kommunikativen Mehrwert dar, der vor allem in einer eindrücklichen Form der Präsentation ihrer Anliegen, im „Angenda Setting“, im Generieren von Aufmerksamkeit sowie in einem Startvorteil für die mediale Nachbereitung von Fernsehdebatten zum Ausdruck kommen kann.

Das Setting der Fernsehdebatte hat einen erheblichen Einfluss auf die Häufigkeit des Einsatzes visueller Hilfsmittel: Während Formate, bei denen die KandidatInnen an einem Tisch Platz nehmen, den Einsatz von Hilfsmitteln begünstigen, werden sie bei Debatten, in denen die KandidatInnen stehend diskutieren, deutlich seltener verwendet.

Der Einsatz visueller Hilfsmittel ist eindeutig eine Offensivstrategie von Oppositionsparteien. Dabei fällt auf, dass visuelle Hilfsmittel mehrheitlich zu Kernthemen von Parteien zum Einsatz kommen. Dieses Ergebnis relativiert die häufige Kritik an „inhaltsleeren Performances“ von PolitikerInnen in Fernsehdebatten und lädt zu einer differenzierteren Diskussion des Phänomens ein, die Form und Zweck des Einsatzes von Hilfsmitteln berücksichtigt.

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